Arbeitskreise
Dokumentation
Werkstattgespräch des SRL-AK Stadtumbau am 12 Juni 2010 in Bremerhaven
Thomas Thurn
Protokoll (PDF-Dokument, ca. 1,5 MByte)
Werkstattgespräch des SRL-AK Stadtumbau am 15. September 2007 in Fulda
Thomas Thurn
Protokoll (PDF-Dokument, ca. 244,7 KByte)
Werkstattgespräch des SRL-AK-Stadtumbau, 21.1.2006 in Berlin Strukturförderperiode der EU 2007 bis 2013: Neues Geld Neue Chancen für den Stadtumbau?
Beate Glöckner (IRS Erkner), Thomas Thurn
Protokoll (PDF-Dokument, ca. 131,3 KByte)
Werkstattgespräch, 8. Januar 2005 in Berlin Zusammenarbeit der Wohnungsunternehmen und der Stadt als Grundlage einer erfolgreichen Stadtumbaupraxis
Heike Liebmann, Thomas Thurn
Bericht (PDF-Dokument, ca. 48,8 KByte)
Werkstattgespräch am 16.3.2004 in Berlin
Lückenlösungen - Zwischennutzungen im Stadtumbau
Bericht (PDF-Dokument, ca. 37,7 KByte)
Werkstattgespräch des SRL-AK Stadtumbau, 18.01.2003 in Berlin
Kooperation für den Stadtumbau -- Zusammenarbeit der Wohnungsunternehmen und der Stadt
Die Werkstattgespräche des Arbeitskreises Stadtumbau gehören nunmehr schon seit fast 2 Jahren zu den festen Terminen im Kalender der ost- und westdeutschen ?Stadtumbauer?. Und das Interesse an den Veranstaltungen ist ungebrochen: Am mittlerweile 6. Werkstattgespräch, das am 18.1.03 in Berlin stattfand, nahmen über 50 Interessierte teil. Es ging um ein Thema, das nicht nur für die Entwicklung, sondern auch für die Umsetzung der Stadtumbaukonzepte von großer Bedeutung ist: Die Zusammenarbeit der Wohnungsunternehmen und der Kommune. In vier Referaten wurden dabei sowohl die Kooperation der örtlichen Wohnungsunternehmen untereinander, als auch die Möglichkeiten und Konfliktfelder der Zusammenarbeit zwischen wohnungswirtschaftlichen und kommunalen Akteuren im Stadtumbauprozess thematisiert.
Stadtspuren - Zusammenschluss Potsdamer Wohnungsunternehmen anlässlich der Bundesgartenschau 2001
Carsten Hagenau, Koordinator des ?Arbeitskreises Stadtspuren? und Wilhelm Wilgeroth, Vorstandsvorsitzender der ?Potsdamer Wohnungsgenossenschaft 1956 e.G.? stellten den ?Arbeitskreis Stadtspuren? vor. Dieser seit 1997 bestehende Zusammenschluss von sieben Potsdamer Wohnungsunternehmen, die gemeinsam einen Anteil von ca. 45 % des städtischen Wohnungsbestandes verwalten, hat seinen Ursprung in gemeinsamen Problemen der Unternehmen, die sich Anfang der neunziger Jahre in Zusammenhang mit der Vermögungs- und Grundstückszuordnung durch die Stadt sowie bei der Umstellung der Gasversorgung auf Erdgas ergaben.
Aufbauend auf den dabei erzielten positiven Erfahrungen wurde beschlossen, einen gemeinsamen Beitrag zur Bundesgartenschau 2001 zu leisten. Die Bundesgartenschau wurde als Chance gesehen, damit verbundene zusätzliche Fördermittel für die Modernisierung der Wohnungsbestände zu binden und die gemeinsamen Interessen der Wohnungsunternehmen durch Lobbytätigkeit, Öffentlichkeitsarbeit und Wohnungsmarktbeobachtung in die Stadtentwicklungspolitik einzubringen. Bewusst wurden die traditionellen Tätigkeitsfelder der Wohnungswirtschaft erweitert, um Qualitätsansprüche für die Entwicklung der Infrastruktur und neuer Dienstleistungen zu formulieren und zu befördern.
Dabei will der Arbeitskreis keine Stadtplanung betreiben, aber es wird Wert darauf gelegt, dass die Mitglieder ihre Immobilien nicht als Einzelobjekte, sondern in ihrem städtebaulichen Zusammenhang begreifen und dass die Synergieeffekte genutzt werden, die sich durch die direkte Nachbarschaft verschiedener Eigentümer in einem Wohngebiet erzielen lassen.
Die Wohnungsunternehmen finanzieren den Koordinator des Arbeitskreises entsprechend ihrem jeweiligen Anteil am Wohnungsbestand. Im Ergebnis sind zur Bundesgartenschau 20 Standorte mit BUGA-Bezug entwickelt, und in diesem Zusammenhang 11 % des Potsdamer Wohnungsbestandes modernisiert worden.
Auch die Zusammenarbeit mit der Stadt hat sich nach anfänglichen Problemen positiv entwickelt. Seit 1999 wird einmal pro Jahr mit dem Oberbürgermeister ein ?Wohnungspolitischer Ratschlag? veranstaltet. In einzelnen Stadtteilen werden regelmäßige Workshops organisiert, wobei das aktuelle Hauptaugenmerk dem mit 5 % Wohnungsleerstand für Potsdamer Verhältnisse fast schon als ?Sorgenkind? zu bezeichnenden Wohngebiet ?Schlaatz? gilt.
Als Ergebnis einer positiven Zusammenarbeit kann auch gelten, dass der Arbeitskreis bei der Entwicklung des Potsdamer Beitrages zum Bundeswettbewerb ?Stadtumbau Ost? und am neuen Stadtentwicklungskonzept der Stadt mitgewirkt hat. Fazit: Diese Kooperation der örtlichen Wohnungsunternehmen ist, auch wenn nicht anlässlich des Stadtumbaus entstanden, dennoch ein interessantes und erfolgreiches Modell der Zusammenarbeit im Potsdamer Stadtumbauprozess, das mittlerweile auch Nachahmer findet: Der Koordinator des Arbeitskreises hat seit Beginn des Jahres 2003 auch in der Stadt Brandenburg/Havel die Aufgabe eines Mediators im Stadtumbauprozess übernommen.
?Lübbenaubrücke? - Kooperation nicht nur für Abriss, sondern auch für Aufwertung
Die Stadt Lübbenau im Spreewald hatte 1993 noch ca. 19.500 Einwohner, Arbeitsplätze waren durch den Braunkohleabbau und das Kraftwerk vorhanden. Bis zum Jahr 2001 hat die Stadt ca. 23 % ihrer Bevölkerung verloren und zählt nun nur noch ca. 15.000 Einwohner. Für Herrn Michael Jakobs, Geschäftsführer der ?Wohnungsgesellschaft im Spreewald, WIS? bestand 1998 folgende Ausgangslage: Ungefähr die Hälfte der Wohnungen in der Lübbenauer Vorstadt, dem von der Altstadt durch eine Bahnlinie und eine Bundesstraße abgetrennten Plattenbaugebiet, waren unsaniert. Es gab bereits hohe Wohnungsleerstände, einige Quartiere waren verwahrlost, die WIS hatte einen schlechten Ruf, denn die konkurrierende Wohnungsgenossenschaft GWG hatte bereits einen Großteil ihrer Bestände saniert.
1999 wurde die ?Lübbenaubrücke? als Kooperation zwischen den beiden Wohnungsunternehmen (WIS, GWG) und der Stadtverwaltung mit dem Ziel gegründet, gemeinsam einen aktiven Stadtumbau und eine übergreifende Stadtentwicklung zu betreiben. Als Moderator wurde der Stadtplaner und Architekt Dr. Othmer beauftragt. Im Zuge der Entwicklung des Stadtumbaukonzeptes wurde zweimal jährlich ein öffentliches Bürgerforum veranstaltet. Es wurden Arbeitsgruppen zu Themen wie Städtebau, Stadtmarketing usw. eingerichtet und weitere Partner, wie Sportvereine, Schulen und Künstler wurden in die Kooperation einbezogen.
Die im Rahmen der ?Lübbenaubrücke? entwickelte Abrissstrategie beinhaltet punktuelle Entkernungsmaßnahmen, die zur Umfeldverbesserung der Quartiere beitragen sowie flächenhaften Abriss in den Randbereichen. Die Anzahl der abzureißenden Wohneinheiten je Wohnungsunternehmen orientiert sich an deren Anteil am gesamten Wohnungsbestand. Demnach wird die WIS 4.900 und die GWG 2.000 Wohneinheiten abreißen. Die WIS beginnt aufgrund des akuteren Handlungsbedarfes mit dem Abriss, wobei sie bisher durch ein glückliches Umzugsmanagement kaum Mieter verloren hat.
Im Stadtumbauprozess der Stadt spielen aber auch Aufwertungsmaßnahmen eine große Rolle. Als Pilotprojekt wurde ein Plattenbau bereits aufwendig umgebaut (Maisonettewohnungen, IuK-Technik, Solarthermie, Erkeranbau), das Neustädter Zentrum wurde durch neue Ladenflächen belebt, eine Trendsportanlage für Jugendliche wurde in Betrieb genommen, ein Block wurde altersgerecht umgebaut (Aufzuganbau, Grundrissänderungen) und ein soziokulturelles Zentrum wurde in den Nebengebäuden des Bahnhofes eingerichtet. Zudem dienen Kulturveranstaltungen wie das ?Lindenfest? und eine intensive Öffentlichkeitsarbeit dazu, den Bürgern zu vermitteln, dass der Stadtumbau nicht nur Abriss, sondern auch die Chance bedeutet, neue Qualitäten für das Quartier zu entwickeln.
Erneuerungsgesellschaft Wolfen-Nord - Stadtteilmanager im Auftrag der Wohnungsunternehmen und der Stadt
Die Stadt Wolfen im Landkreis Bitterfeld hat aktuell ca. 27.000 Einwohner, der größte Teil von ihnen (ca. 16.500) lebt im Plattenbaugebiet Wolfen- Nord, das in der DDR-Zeit für die Arbeiter des Chemiekombinats und der Filmfabrik (ORWO) errichtet worden war. Die Probleme der Stadt und insbesondere ihres Plattenbaugebietes werden deutlich, wenn man sich die Bevölkerungs- und Wohnungsleerstandsentwicklung seit Mitte der 1990er Jahre vor Augen führt: Zwischen 1995 und 2001 verlor die Stadt Wolfen ein Drittel ihrer Einwohner, der negative Saldo in Wolfen-Nord beträgt 42 %. Diese Entwicklung führte bereits Mitte der 1990er Jahre zu einem vergleichsweise hohen Wohnungsleerstand, der sich bis heute auf eine Leerstandsquote von 33 % in Wolfen-Nord, ein trauriger Spitzenwert für die neuen Länder, erhöht hat.
Die ?Erneuerungsgesellschaft Wolfen- Nord? (EWN) wurde 1996 von der kommunalen Wohnungsgesellschaft, der örtlichen Wohnungsgenossenschaft und der Stadt Wolfen gegründet. Seit Januar 2003 sind auch die kommunalen Stadtwerke Gesellschafter der EWN. Der Geschäftsführer der EWN, Herr Harald Rupprecht, schildert als Anlass der EWN-Gründung die Vorbereitung der EXPO 2000. Die Region Bitterfeld-Wolfen war Korrespondenzstandort dieser Weltausstellung. Eine zusätzliche praktische Notwendigkeit für die Beauftragung einer Agentur für die Durchführung gemeinsamer Aktivitäten war durch den im Wohngebiet vorhandenen ?Flickenteppich? an Eigentumsverhältnissen gegeben.
Als Stadtteilmanager hat die EWN ein Stadtteilkonzept entwickelt, führt städtebauliche Aufwertungsmaßnahmen (z.B. Umbau einer Kita in ein Gemeindezentrum) und Abrisse von Plattenbauten (seit dem Jahr 2000: 480 WE; bis zum Jahr 2004 geplant: 1.800 Wohneinheiten) durch, besorgt und verwaltet Fördermittel (?Soziale Stadt?, Urban 21, ABM- und EU-Programme) und bindet freie Träger in soziale und kulturelle Projekte ein.
Die EWN fungiert und agiert als ein Ansprechpartner für den gesamten Stadtteil. In dieser Funktion muss sie sich mit den unterschiedlichen Prioritäten der jeweiligen Akteure auseinandersetzen: die Kommune will städtebauliche und soziale Qualitäten des Stadtteils sichern, die Wohnungsunternehmen drängen auf eine zügige Durchführung der Abrisse, für die Stadtwerke steht der Rückbau der Versorgungssysteme im Vordergrund, die freien Träger sind auf finanzielle und organisatorische Unterstützung angewiesen und die Anwohner fordern Klarheit darüber, wann die eigene Wohnung abgerissen wird und wer den Umzug bezahlt.
Ihre Funktion als Stadtteilmanager erfüllt die EWN durch ihre Dialogfähigkeit mit den Akteuren, ihre Übersicht über die Situation im Stadtteil, ihre Sachkompetenz vor allem bei der Aktivierung von finanziellen Ressourcen und ihre Rolle als Interessenvertreter des Stadtteils.
Die EWN kann, so das Fazit des Referenten, beim Stadtumbau des Wohngebietes durch Konsens, Organisation und Finanzmittel die notwendige v.a. bauliche Umstrukturierung sozial ?abfedern? und so zur Stabilisierung des Quartiers beitragen; die regionalen Wirtschaftprobleme und die negative Bevölkerungsentwicklung als Rahmenbedingungen für die Quartiersentwicklung können jedoch auch durch dieses Engagement nicht beeinflusst werden.
Schwerin - Stadtumbau als gemeinsamer Erkenntnisprozess
Das Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung e.V.(IRS) aus Erkner hat über sieben Jahre den Stadtumbauprozess in Schwerin als Berater und Moderator begleitet. Thomas Knorr-Siedow vom IRS hob die Bedeutung der Einbindung aller Akteure für ein erfolgreiches Gelingen des Stadtumbauprozesses hervor.
Auf der Grundlage einer ersten Wohnstudie (aus dem Jahr 1995) hat die Stadt im Jahr 1996 ein erstes öffentliches ?Wohnforum? veranstaltet, das noch stark von Wachstumserwartungen geprägt war. Dieses Wohnforum, an dem Verwaltung, Politik, Wohnungsunternehmen, soziale Träger und Banken teilnehmen, entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einer im Jahresturnus regelmäßig stattfindenden Veranstaltung, bei der es zunehmend auch um den Stadtumbau ging. Gemeinsam wurden unterschiedliche Stadtumbauoptionen, wie z.B. ?Qualitätsstrategie?, ?Gesundschrumpfen?, ?Entwicklung im Bestand? diskutiert und beschlossen. Ein wichtiges Prinzip stellte dabei die ?Vermittlung, dass Veränderung notwendig ist?, dar. Diese Vermittlung soll durch Konsens, Stabilisierung (keine ?Salamitaktik? bei den Abrissen) Modellbeispiele und Hilfestellung bei individueller Betroffenheit geleistet werden.
Im Jahr 1999 wurde dann die Wohnstudie aktualisiert. Ergänzend wurden in den Folgejahren Stadteilforen in den Stadtteilen Großer Dreesch, Neu Zippendorf und Mueßer Holz durchgeführt, um erste Stadtumbaukonzepte für die Quartiere mit den Bürgern zu diskutieren. Im Jahr 2002 hat die Stadtversammlung das integrierte Stadtentwicklungskonzept ?Wohnen in Schwerin? beschlossen, das konkret die Standorte und den Zeitpunkt von Wohnungsabrissen bis zum Jahr 2005 benennt. Der gemeinsame - oft mühsame - Erkenntnisprozess, dass Stadtumbau notwendig und nur in Kooperation erfolgreich ist, wurde beim ?Bundeswettbewerb Stadtumbau- Ost? mit einem ersten Preis belohnt.
Das nächste Werkstattgespräch des SRL- Arbeitskreises Stadtbau findet in Neubrandenburg am 29.3.2003 zum Thema ?Monitoring/ Erfolgskontrolle beim Stadtumbau? statt. Der genaue Veranstaltungsort und ein detailliertes Programm können rechtzeitig der Internet-Seite der SRL (www.srl.de) entnommen werden.
Thomas Thurn / Christoph Haller
Für den AK ?Stadtumbau? der SRL
Werkstattgespräch des SRL-AK Stadtumbau, 19.10.2002 in Naumburg
Stadtumbau-Ost / Stadtumbau-West -- Was können wir voneinander lernen?
Am 19. Oktober 2002 - am Tag nach der Verleihung des ?Deutschen Städtebaupreises des SEB AG? - fand in Naumburg das 5. Werkstattgespräch des AK Stadtumbau mit über 50 Teilnehmern statt. Durch diese Veranstaltung sollte - nachdem die Stadtschrumpfung nicht nur im Osten, sondern zunehmend auch im Westen den Stadtumbau zur Planungsaufgabe macht - ein Erfahrungsaustausch begonnen werden.
Ergebnisse des Bundeswettbewerbes ?Stadtumbau-Ost?
Zu Beginn machte Michael Bräuer, der Vorsitzende des Preisgerichtes zum Wettbewerb ?Stadtumbau-Ost? nochmals deutlich, dass der Anstoß zur Stadtumbaudebatte von der Wohnungswirtschaft ausging, die durch den zunehmenden Wohnungsleerstand hohe Verluste erleidet (1 leerstehende Wohneinheit verzehrt den Gewinn von 4 bewohnten Wohneinheiten) und staatliche Unterstützung für eine Marktregulierung einforderte. Die notwendigen Abrisse sollten nicht nach rein wohnungswirtschaftlichen Zielen durchgeführt, sondern in neue Stadtentwicklungs- und Quartierskonzepte integriert werden. Deshalb hat die Bundesregierung - als Anstoß für die Erarbeitung solcher Konzepte - im November 2001 den Wettbewerb ?Stadtumbau-Ost? ausgelobt. 269 Bewerber haben ihre Beiträge eingereicht, am 5. September 2002 wurden 34 Preise vergeben.
Als beispielhaftes Wettbewerbsergebnis zum Thema interkommunale Zusammenarbeit für den Umgang mit der Stadt-Umland-Wanderung ist das regionale Entwicklungskonzept U.T.E. der Städte Ückermünde, Torgelow, Eggesin zu nennen. Bei der Verbindung des Stadtumbaus mit Gestaltungskonzepten für den vorhandenen bzw. neugewonnenen Freiraum sind die Beiträge aus Stavenhagen, Parchim, Plauen, Halle und Zwickau vorbildlich. Im Sinne eines nachhaltigen Stadtumbaus hat die Stadt Gräfenhainichen unter dem Motto ?Stadt mit Energie? Vorschläge zum innovativen Umgang bei der Energiegewinnung und Energieverbrauch gemacht. Nur wenige Beiträge beinhalten eine Auseinandersetzung mit immobilienwirtschaftlichen Problemen, damit die Stadtumbaukonzepte umsetzungsfähig sind. Nur die Stadt Zittau hat auf Basis immobilienwirtschaftlicher Analysen die vorgeschlagenen Maßnahmen mit entsprechenden Kalkulationen untersetzt.
Viele Wettbewerbsbeiträge enthielten keine Angaben zu den - als Basis für die Planung - verwendeten Daten, was auf eine oft mangelhafte Statistik in den Städten schließen lässt. Zum anderen fiel auf, dass die vorgelegten Konzepte selten verbindliche Absprachen zwischen Wohnungswirtschaft und Stadt zur Umsetzung enthielten.
Die Dokumentation der Preisträger soll spätestens Januar 2003 vom Bund auf CD-ROM herausgegeben werden. Die Diskussion der Wettbewerbsergebnisse auf Bundes-, Landes- und Gemeindeebene steht an, um die Umsetzung des Stadtumbaus zu befördern.
In der Diskussion wurde die SRL aufgefordert, sich an den neuen Bundesbauminister mit der Bitte um Offenlegung aller Beiträge und einer Bewertung der Nicht-Preisträger zu wenden, um den Lerneffekt durch den Wettbewerb vor Ort zu unterstützen.
Wohnungsmarktentwicklung erfordert Stadtumbau in Niedersachsen/Bremen
Frau Renate Szameitat vom Hamburger GEWOS - Institut stellte eine Studie zur Wohnungsmarktentwicklung bis 2015 in Niedersachsen und Bremen vor, die GEWOS im Auftrage des Verbandes der Wohnungswirtschaft Niedersachsen/ Bremen erarbeitet hat. Die Studie stellt fest: Der stagnierenden Nachfrage steht schon heute (Basisdaten 2000) ein wachsendes Angebot gegenüber. Die Prognose sagt einen Angebotsüberhang von insgesamt 170.000 Wohneinheiten oder gut 4 Prozent des Gesamtbestandes (Miete und Eigentum) in diesem norddeutschen Raum bis 2015 voraus.
Dabei ergibt sich regional ein sehr unterschiedliches Bild: Im Südosten Niedersachsens und in den Küstenstädten ist eine starke Abnahme der Einwohnerzahlen zu erwarten. Dagegen wird die Bevölkerung im Hamburger Umland sowie in Westniedersachsen deutlich zunehmen. Nicht nur in diesen Wachstumsregionen, sondern auch in Regionen mit rückläufiger Bevölkerungszahl wird durch die Nachfrage kaufkräftiger Haushalte, die auf dem Bestandsmarkt kein passendes Angebot vorfinden, zusätzlicher Wohnraum geschaffen. So wird es in Schrumpfungsstädten zu Angebotsüberhängen mit Spitzenwerten wie 17% in Osterode am Harz, 16% in Bremerhaven, 14% in Wilhelmshaven kommen. Auch qualitativ wird sich die Nachfrage verändern: Fast flächendeckend suchen die Kunden große Wohnungen und Wohneigentum.
Für die Wohnungswirtschaft besteht damit Handlungsbedarf: Der Wohnungsbestand ist marktgerecht zu optimieren, Modernisierungen reichen nicht aus, der Einstieg in den Stadtumbau steht an. In der Diskussion wies Frau Szameitat darauf hin, dass Abrisse bisher nur punktuell notwendig seien, wie zum Beispiel von Hochhäusern in Bremerhaven, Bürgerstadt Süd, die schon Leerstände bis zu 30 % aufweisen. Eine kontinuierliche Marktbeobachtung und Präventivmaßnahmen sind erforderlich.
Stadtumbau-West in Wilhelmshaven
Stadtrat Dr. Jens Graul stellte Wilhelmshaven als eines der acht Pilotstädte des Stadtumbau-West Programms, das der Bund mit insgesamt 15 Millionen Euro finanziert, vor. In diesem Programm werden auch in Bremen, Lübeck, Oer-Erkenschwick (NRW), Pirmasens, Selb und Wildflecken (Bayern) sowie Völklingen Stadtumbauprojekte und in Albstadt, Bremerhaven und Salzgitter Stadtentwicklungskonzepte gefördert.
In Wilhelmshaven - als ehemaliger ?Reichskriegshafen? - ist die Marine mit 8000 Arbeitsplätzen immer noch der größte Arbeitgeber. In der Nachkriegszeit setzte eine eigenständige zivilwirtschaftliche Entwicklung mit der Maschinenbau- und Büromaschinenindustrie, Forschungseinrichtungen und Tourismus ein. In den sechziger Jahren entstand ein Tiefwasserhafen zur Verarbeitung von Kohle, Erdöl und Kunststoffen. Der produzierende Sektor ist aber immer noch unterrepräsentiert. Durch den Stellenabbau bei der Marine und den ?Altindustrien?, bleibt Strukturpolitik eine Daueraufgabe. Im privaten Dienstleistungsbereich, wie Call-Center, Bio- und Informationstechnologie und Tourismus konnten Arbeitsplätze geschaffen werden. Von dem zukünftigen ?Jade Weser Port?, als Tiefwasserhafen für Containerschiffe erhofft sich die Stadt Entwicklungsimpulse.
Wilhelmshaven verliert seit Jahren kontinuierlich an Einwohnern, zum einen als Folge der Abwanderung von Erwerbstätigen, zum anderen durch die Überalterung der Bevölkerung. Die Stadt-Umlandwanderung hat sich zuletzt verlangsamt. Durch die Bevölkerungsabnahme hat sich der Vermietermarkt zum Mietermarkt entwickelt. Wohnungsüberhänge sind vor allem im Niedrigpreissegment entstanden.
Wilhelmshaven als Pilotprojekt wird einerseits ein gesamtstädtisches Stadtumbaukonzept - nach dem Motto ?Mehr aus Weniger? - erarbeiten. Für zwei Stadtteile, Siebethsburg, eine denkmalgeschützte Gartenstadtsiedlung in zentraler Lage, entstanden zwischen 1905 und 1939 und Fedderwardengroden, eine typische Trabantensiedlung der 1930er Jahre, werden Quartiersstrategien entwickelt. Wohnungsleerstände sind in beiden Siedlungen in den unattraktiven Lagen entstanden. Maßnahmen, wie soziale Stadtteilarbeit, Wohnungen für Singles mit Serviceangeboten und Internetanschluss, Umwandlung von Wohnungen in Gewerbeobjekte sollen in Angriff genommen werden.
In der Diskussion wurde auf die Schwierigkeiten des Stadtumbaus in den Altbauquartieren und des Umgangs mit den dortigen Privateigentümern hingewiesen. Zur Leerstandbeseitigung in den alten Kernstädten sind sanierungsrechtliche Instrumente und Förderprogramme fortzuentwickeln.
Das nächste Werkstattgespräch des AK Stadtumbau findet am 18. Januar 2003 in Berlin, Haus der Demokratie, Greifswalder Str. 4, zum Thema ?Kooperation von Wohnungswirtschaft und Kommune beim Stadtumbau? statt.
Thomas Thurn, SRL, Berlin
Werkstattgespräch des SRL-AK Stadtumbau, 29.6.2002 in Berlin
Stadtumbau in der Metropole London und den ehemaligen Industriestädten Glasgow und Manchester - Bericht von der SRL- Exkursion nach Großbritannien
Am 29.6.02 fand das 4. Werkstattgespräch des SRL- AK Stadtumbau und der Regionalgruppe Berlin/Brandenburg statt, auf dem Teilnehmer der SRL- Exkursion nach Großbritannien über ihre Erfahrungen und Eindrücke berichteten. Die Reise vom 8.6. bis 16.6.02 führte die 26 Teilnehmer für vier Tage nach London sowie anschließend für je zwei Tage nach Glasgow und Manchester. Sie beinhaltete Besichtigungstouren vor Ort und Termine mit dem Städtebauministerium, regionalen Regierungsbüros, kommunalen Planern, Regionalplanern, Gemeinwesenarbeitern und Hochschullehrern. Dieser Kurzbericht soll einige Eindrücke der Reise wiedergeben, ausführliche Berichte zu einzelnen Städten und Themen werden in der nächsten Planerin folgen.
Planungspolitik der ?New Labour? - Regierung
Die Planungs- und Infrastrukturpolitik in England ist nach wie vor geprägt durch die über 15 jährige konservative Regierungspolitik, die gekennzeichnet war durch gesellschaftliche Umstrukturierungsprozesse und vor allem den ?Rückzug des Staates?. Allerdings betreibt ?New Labour? im Vergleich zu den ?Konservativen? eine aktivere Stadtentwicklungspolitik mit neuen, integrativen Förderprogrammen.
Nicht nur in den Absichtserklärungen der Regierung, sondern auch in allen drei Städten zeigt sich eindrucksvoll eine Rückbesinnung auf die Europäische Stadt. Statt quartiersbezogenen Krisenmanagement wird das Ziel einer ?urbanen Renaissance? propagiert, das durch einen breiten Ansatz der Belebung der Innenstädte (?broader urban focus?) z.B. durch das Förderprogramm ?New Deal for Communities? erreicht werden soll. Gleichzeitig gibt es Bestrebungen, durch eine sektorale Infrastrukturförderung die staatliche Vorsorge (?mainstream policies?) in den Städten zu verbessern (z. B. durch Verbesserung der Schulen, der Verkehrsinfrastruktur und des Gesundheitswesens) und in problematischen Quartieren nicht nur eine bauliche, sondern auch eine soziale Erneuerung zu realisieren (?neighbourhood approach?).
?Partnerschaft? als Planungs- und Förderprinzip
Die konservative Regierung hat das Prinzip der ?partnership? als Fördervoraussetzung eingeführt, um die Rolle des privaten Sektors in der Kommunalpolitik zu stärken. New Labour hat das Partnerschaftsprinzip beibehalten, versteht es aber als einen ?Runden Tisch? zwischen öffentlichen, privaten und bürgerschaftlichen Partnern, die geförderte Projekte gemeinsam entwickeln und umsetzen. Diese Zusammenarbeit der örtlichen Akteure soll dazu beitragen, die Zielgenauigkeit und Umsetzungsfähigkeit der geförderten Projekte zu erhöhen.
Dramatische Quartiersprobleme erfordern radikalen Stadtumbau
Am Beispiel der Gorbals in Glasgow konnten sich die Exkursionsteilnehmer ein Bild vom baulichen und sozialen Verfall in einzelnen Quartieren machen, auf die mit einem radikalen Stadtumbau reagiert wird. Massive Bauschäden (Unbewohnbarkeit z. B. durch Schimmelpilz) der Billigbauweisen der 60er Jahre haben zahlreiche Bewohner von Hochhäusern zum Auszug veranlasst. Gleichzeitig nimmt die Verarmung zu, teilweise sind Bewohner in der 3. Generation arbeitslos. Diese - im Vergleich zu ostdeutschen Städten - dramatischen baulichen und sozialen Probleme in den Plattenbausiedlungen haben zu flächenhaften Abrissen von maroden Hochhäusern, Einkaufszentren und Gemeinschaftseinrichtungen geführt. Auf den Abrissflächen werden Reihenhäuser oder maximal 3 bis 4-geschossige Wohnbauten errichtet. Die Neubauten dienen v.a. der Eigentumsbildung, der Anteil der Sozialwohnungen wurde auf ca. ein Drittel reduziert. Man hofft, dass sich durch neue Wohnformen und eine sozial gemischte Nachbarschaft das Image von Quartieren ändert und langfristig stabile Wohnorte entstehen.
Festivalisierung von Stadtentwicklung
Für Glasgow wie auch für Manchester ist charakteristisch, dass sich die Stadtpolitik seit Mitte der 1980er Jahre aktiv und offensiv für einen umfassenden Stadtumbau einsetzt. Neben der Aufwertung der Stadtzentren, dem Umbau von Wohnquartieren aus den 1960er Jahren, gehört dazu auch die Umgestaltung von Industrie- und Hafenflächen. Die vormals zumeist als ?heruntergekommen? verrufenen altindustriellen Städte sollen wieder ökonomisch erfolgreich, kulturell vielfältig, für die Bevölkerung lebenswert sowie auf international Ebene attraktiv werden. Um diese Ziele realisieren zu können bedient man sich auch einer Festivalisierung der Stadtentwicklung, die sich durch public-private-partnership und prestigeorientierte Großprojekte auszeichnet. So hat Manchester im Juli 2002 die ?Commonwealth Games? (eine Art Olympiade der Commonwealth-Staaten) ausgetragen. In diesem Zusammenhang erfolgte in Manchester der Ausbau von Sport-, Freizeit- und Kulturstätten. Glasgow war im Jahr 1990 ?Kulturhauptstadt Europas? und 1999 ?City of Architecture and Design?. Eine Vielzahl von neuen ?Attraktionen?, die wiederum auf den Stadtteil bzw. die ganze Stadt ausstrahlen, sollen das Wachstum des Dienstleistungssektors anstoßen bzw. verstärken.
Was lässt sich lernen?
Auffallend war in allen besuchten Städten eine starke Konzentration von (im Wettbewerb vergebenen) Fördermitteln auf bestimmte Projekte, d.h. eine befristete umfangreiche Subventionierung von Maßnahmen, um damit eine längerfristig selbsttragende Entwicklung anzustoßen. Auf dieser Grundlage spielen Planungspartnerschaften zwischen öffentlichen und privaten Akteuren eine wichtige Rolle. Gerade auf diesem Feld gibt es eine ganze Reihe interessanter Ansätze, die auf ihre Übertragbarkeit hin geprüft werden sollten.
Beeindruckend und anregend war gleichfalls, Stadtverwaltungen zu erleben, die als selbstbewusste und handlungsfähige Aktivposten der Stadtentwicklung auftreten und sich trotz knapper Kassen und schwieriger Rahmenbedingungen durch Kreativität auszeichnen.
Das 5. Werkstattgespräch des SRL- AK Stadtumbau wird am 19. Oktober 2002 in Naumburg/ Saale zum Thema ?Stadtumbau-Ost/Stadtumbau-West - was können wir voneinander lernen?? stattfinden. Programminformation und Anmeldung über die SRL-Geschäftsstelle.
Heike Liebmann, Thomas Thurn
Werkstattgespräch des SRL-AK Stadtumbau am 13.04.2002 in Dessau
Stadtumbau in Sachsen-Anhalt - Umgang mit der Verfügbarkeit von Flächen und Räumen
Das dritte Werkstattgespräch des SRL - AK Stadtumbau fand im Rahmen des Offenen Hochschultages in der Hochschule Anhalt mit fast 40 Teilnehmern statt. Es zeigte sich in den Referaten und in der Diskussion, dass der Informationsbedarf über den Stand des Stadtumbaus in Sachsen-Anhalt dominierte, die Diskussion über den Umgang mit der Verfügbarkeit von Flächen und Räumen sich auf dem noch eher abstraktem Niveau der gesamtstädtischen Stadtumbaukonzepte bewegte. Im ersten Teil der Veranstaltung wurden aktuelle Initiativen zum Stadtumbau von der Hochschule Anhalt und dem Bauhaus Dessau vorgestellt. Drei Vorträge führten in strukturelle Prinzipien der Steuerung von räumlich-funktionalem Wandel ein und thematisierten den Umgang mit der Verfügbarkeit von Flächen und Räumen aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Im zweiten Teil eröffneten zwei Städteberichte (Dessau und Magdeburg) Perspektiven zu örtlich besonderen planungspraktischen Positionen und Entscheidungsnotwendigkeiten der laufenden Arbeiten zu den Stadtumbaukonzepten.
Forschungsprojekt zur Stadtentwicklung in Dessau, Halle und Magdeburg
Frau Prof. Dr. Ing. Andrea Haase, Hochschule Anhalt, berichtete über das Forschungsprojekt "Gegenwart und Zukunft der Stadtentwicklung in Sachsen-Anhalt. Magdeburg, Halle, Dessau -- Perspektiven und strukturelle Rahmenbedingungen zukünftiger Entwicklung". Die Forschung geht davon aus, dass ein Land wie Sachsen-Anhalt, mit besonders reichen Potentialen in Industriegeschichte, Landschaft und Kultur, dafür prädestiniert ist, den bevorstehenden Strukturwandel in Technologie, Wirtschaft und Gesellschaft mit europaweiter Bedeutung zu realisieren. Die drei größten Städte wurden für die Untersuchung ausgewählt als diejenigen Städte, die den Strukturwandel aufnehmen und tragen können. Als wesentliche Voraussetzung dafür wurde die notwendige Sorgfalt im Umgang mit den raumstrukturellen Bedingungen, d.h. mit den "weichen Standortfaktoren" der Städte, hervorgehoben.
Diese Prämisse geht zurück auf Erkenntnisse der Innovationsforschung, dass bestimmte Bedingungen der Raum-gewordenen-Geschichte, - z.B. historisch bedeutsame Situationen und ihre Bedeutung für die Erinnerung an ?Vorsprungslandschaften? und ?Entwicklungspfade? der industriellen Geschichte -, als ?gefangene? Standortvorteile wirken, die ihrerseits die Voraussetzungen für ?innovative Milieus? bilden und die Aufnahme von Neuerungen in Technologie, Wirtschaft und Raum im Zusammenwirken mit anderen Standortvorteilen, z.B. Humankapital und Agglomerationsvorteilen der Ausnutzung von Infrastruktur, erst ermöglichen. Unter diesem Aspekt wird die herrschende und zunehmende Verlagerung von Standortgunst für Wohnen und Dienstleistung an die Ränder der Städte, in landschaftlich attraktive Lagen, meist am Wasser, als nur eine Art von Entwicklungstendenz gesehen. Daneben wird den alten Kernen der Raumstrukturen wieder neue Anziehungskraft zugesprochen, sofern ihre tradierten Identifikationsmerkmale mit Symbolen für neue Entwicklungen verbunden werden. Großräumlich wird eine fortgesetzte dezentrale Entwicklung an unterschiedlichen Standorten innerhalb einer Stadt zur gleichen Zeit zugrunde gelegt. Kleinräumlich werden neue dezentrale Mischungen von Wohnen und Arbeiten an unterschiedlichen Standorten der Städte für langfristig wirtschaftlich gehalten.
Ziel der Forschung ist, Bedingungen der Raumstrukturen in ihrer langfristigen Tauglichkeit für die Aufnahme von strukturellem Wandel aufzudecken und ihre Eignung für die Qualifizierung von Flächen groß- und kleinräumlich näher zu bestimmen. Angestrebt werden einerseits eine Stärkung der Lesbarkeit großräumlicher Qualitäten im öffentlichen Raum der Städte (s. K. Lynch) und andererseits eine Intensivierung der Nutzbarkeit kleinräumlicher Bedingungen von Bebauung und Freiräumen in öffentlichen und privaten Räumen (s. K. Selle, e.a.).
Methode dieser Langzeit-Untersuchung ist die Überprüfung abstrakter Modelle des Wandels für gewählte Themen und Zeitschnitte durch die jeweilige örtlich besonderen Entwicklung. Diese Methode wird gestützt auf die digitale Kartenauswertung zu den Zeitschnitten Vorkriegs-, Vorwende- und Nachwendezeit und wird ergänzt durch Experten-Interviews und Literatur- und Archivauswertung. An der Schnittstelle zwischen Analysen zu Raumstruktur-, Leitbildern und realen Abbildern sozialräumlicher Realitäten findet das Modell von H. Lefebvre zur Verknüpfung der sozialen Bedeutungen von Raum (Raumnutzung, Vorstellungsräume, Darstellungsräume) Anwendung als Spiegel für die herrschenden Gesetze des Immobilienmarktes.
Als Positivbeispiele für die großräumliche und auch wirtschaftliche Bedeutung einer Gestaltung öffentlicher Räume wurde der Wörlitzer Park bei Dessau genannt. Als Beispiel kleinräumlicher Entwicklung mit Vorbildcharakter für die Nutzbarkeit kleinräumlicher Bedingungen wurden die Parzellierung und Bebauung des Quartiers ?Neues Bauen am Horn? in Weimar vorgestellt. Das Forschungsprojekt will einen Beitrag dazu leisten, dass die städtischen Fehlentwicklungen, die durch das übliche ?Auseinanderklaffen? der groß- und der kleinräumlichen Planung entstehen, in Zukunft vermieden werden.
IBA Stadtumbau - Sachsen-Anhalt 2010
Frau Dr. Babette Scurrell stellte die ersten Überlegungen zur ?IBA Stadtumbau - Sachsen-Anhalt 2010? vor. Projektgebiet ist ganz Sachsen-Anhalt. Für die Projekte werden keine zusätzlichen Fördermittel des Landes bereitgestellt. Das Bauhaus Dessau organisiert die IBA mit einem kleinen interdisziplinärem Team. Die Auftaktveranstaltung zur IBA fand am 22.3.02 im Bauhaus Dessau statt.
Die IBA geht von der These aus, dass in Ostdeutschland eine Stadtplanung für Städte ohne Wachstum, auf Dauer und flächendeckend, gefordert ist. Die IBA will dafür die Offenheit und den Ideenaustausch in der Stadtplanung fördern und auch Beispiele internationaler Prozesse von Wandel ohne Wachstum in Betracht ziehen. Es sollen auf dieser Grundlage bei der IBA ?Modelle für den Wandel? erarbeitet werden. Das Bauhaus legt dabei besonderen Wert auf die Partizipation? ?IBA geht Alle an?. Bei den Projekten sollen die Erfahrungen aus dem Programm ?Soziale Stadt? genutzt werden. Als Projekte sind auch kleinteilige Maßnahmen im Sinne einer ?Akupunktur? für die Städte denkbar.
Informationen über die IBA sind im Internet unter www.bauhaus-dessau.de abrufbar. Im August 2002 ist die Bauhauszeitschrift der ?IBA Stadtumbau- Sachsen -Anhalt 2010? gewidmet.
Gemeinschaftsaktion Stadt im Wandel
Herr Professor Reiner Schmidt, Hochschule Anhalt, schilderte die Aktivitäten zum Stadtumbau der ?Gemeinschaftsaktion Stadt im Wandel?. Die Gemeinschaftsaktion ist 1999 von den Verbänden der Wohnungswirtschaft, Planerverbänden sowie Organisationen aus den Bereichen soziales Management und Kommunikation als Kooperationsverbund gegründet worden. In Zeiten des starken Wandels im Wohnbereich und in der Stadt soll die sich daraus ergebenden Herausforderungen interdisziplinär diskutiert und gemeinsam Lösungsansätze erarbeitet werden. Die Gemeinschaftsaktion dient als Plattform für den Erfahrungsaustausch, Veranstaltungen und Veröffentlichungen. Als Publikationsorgan fungiert die Fachzeitschrift ?Die Wohnungswirtschaft? (DW). Sitz der Gemeinschaftsaktion ist die Hochschule Anhalt.
Aktuelles Ziel ist es, geeignete, aufeinander abgestimmte Angebote zur Qualifizierung und Kommunizierung des Stadtumbaus zu organisieren. Im Dialog mit dem BMVBW und den am Wettbewerb Stadtumbau Ost beteiligten Experten sollen damit die, bei der Erarbeitung der Stadtentwicklungskonzepte eingeschlagenen Wege auch bei deren Umsetzung fortgesetzt werden. Qualifizierungsangebote zum Stadtumbau sind gerade jetzt wichtig, da zu beobachten ist, dass die für den Stadtumbau notwendigen Abstimmungsprozesse so aufwendig sind und soviel ?Energie fressen?, dass die inhaltlichen Ergebnisse d.h. Maßnahmevorschläge eher ?mager? sind. In der Gemeinschaftsaktion wird eine Kolloquienreihe zum Stadtumbau im Winter 02/ 03 geplant; die Schaderstiftung bereitet einen Stadtumbau-Kongress für Januar 2003 vor und der GdW erarbeitet Arbeitshilfen zu Teilfragen des Stadtumbaus, wie z.B. zum Freiraum/ Wohnumfeld und zum Lastenausgleich zwischen den Wohnungsunternehmen beim Abriss.
Stadtumbaukonzept und Förderprioritäten in Magdeburg
Herr Peter Krämer, Leiter der Abt. Vorbereitende Bauleitplanung/ Stadtumbau im Stadtplanungsamt Magdeburg stellte zuerst die Prioritätenbildung für die Förderung des Landes und des Bundes von Aufwertungsmaßnahmen in der Stadt vor. Grundkonzept für die Prioritätenbildung anhand der Fördergebiete ist die Entwicklung der Stadt ?von Innen nach Außen?. So genießt die Altstadt als Fördergebiet die erste Priorität, danach kommen die Siedlungskorridore im Stadtgebiet, dann der erste Stadtring, dann erst die Siedlungsachsen außerhalb des Stadtgebiets. Bei der Wohnungsbauförderung werden diese großflächigen Fördergebiete ergänzt durch eine Bewertung der Anträge anhand eines Punktekataloges. Wesentliche Kriterien bei der Bewertung sind dabei die Lage des Objektes und die Nachfragegerechtigkeit des Projektes. Die Vergabe von Städtebauförderungsmitteln wird hingegen in der sogenannten ?Konsensrunde? der Stadtverwaltung entschieden.
Nunmehr steht die Erarbeitung von Quartierskonzepten an, die zwischen den großflächigen Fördergebieten und der kleinräumigen Bewertung anhand des Punktekataloges vermitteln. Ein erstes Quartierskonzept wird jetzt für die Großsiedlung ?Neu Olvenstedt? mit (zwischen den Eigentümern) abgestimmten Rückbaumaßnahmen erstellt.
Zwar wird in Magdeburg das Ziel eines kompakten Stadtmodells verfolgt, aber die Gefahr besteht, dass Lücken verstreut im Stadtgebiet entstehen und die Stadt in attraktive und stigmatisierte Viertel zerfällt. Die Wohnungsunternehmen verhalten sich beim Abriss abwartend und halten sich auch mit Aufwertungsmaßnahmen zurück. Auch die Einzeleigentümer halten sich mit Investitionen zurück, scheuen aber auch den Verkauf ihrer Grundstücke auf Grund noch zu hoher Renditeerwartung. Den Mieter interessiert bei der Bürgerbeteiligung im wesentlichen die Frage ?Wird mein Haus abgerissen oder nicht?? Gesamtstädtisch bedeutsame Flächen für eine Qualifizierung des Stadtraumes, wie z.B. vorhandene oder zukünftige Gewerbe- und Wohnbaubrachen, sind derzeit noch nicht integrierte Bestandteile von Strategien zum Stadtumbau.
Leitideen des Stadtumbaus für die Maßnahmenabstimmung in Dessau
Frau Christiane Jahn, Leiterin des Stadtplanungsamtes in Dessau, beschrieb den dramatischen Bevölkerungsverlust der Stadt. So hatte Dessau 1988 noch 104.000 Einwohner, verfügt aber 2002 nur noch über 80.000 Einwohner. Die Prinzipien des Stadtumbaus in Dessau sind - ähnlich wie in Magdeburg - Vorrang der Innenentwicklung, Auflockerung von dicht bebauten Wohngebieten und Schrumpfung von Innen nach Außen.
Die Stadtverwaltung hat nach diesen Grundsätzen einen Masterplan für Aufwertungsmaßnahmen in der Innenstadt erarbeitet, der von einer Ausdünnung des Wohnens in der südlichen Innenstadt ausgeht. Von den - von Frau Jahn vorgestellten - Maßnahmevorschlägen verschiedener Planungsbüros erschien die Idee eines Grünzuges, der sich in Form eines Darmes durch die Stadt bewegt, am interessantesten. Dieser Vorschlag beinhaltet einerseits ein konsequentes Konzept zur Schaffung von städtischen Räumen und bietet andererseits die notwendige Flexibilität für die weitere Konkretisierung. In der Lenkungsgruppe der Stadt werden diese Konzepte mit der Wohnungswirtschaft in einem iterativen Prozess abgestimmt. Dabei geht die Wohnungswirtschaft auf Grund ihrer Leerstands- und Portofolioanalysen von Abrissplänen aus, die - wie in Magdeburg - die Gefahr von über die Stadt wie zufällig verstreuten Lückenbildungen in sich bergen. Notwendig ist deshalb ein Gesamtkonzept für eine ?lebenswerte Stadt?, das heißt, die Planer sind aufgefordert dafür ?Bilder? zu erarbeiten, die dann als Leitidee für die mit der Wohnungswirtschaft abzustimmende Maßnahmen dienen.
Das nächste Werkstattgespräch des SRL - AK Stadtumbau zum Thema ?Stadtumbau in Großbritannien? wird am 29.6.02 in Berlin stattfinden.
Andrea Haase, Thomas Thurn, SRL
Werkstattgespräch des SRL - AK Stadtumbau am 12.1.02 in Berlin
Stadtumbaukonzepte im Spannungsfeld zwischen städtebaulichen Zielen und wohnungswirtschaftlichen Erfordernissen - erste Erfahrungen im Land Brandenburg
Das Spannungsfeld zwischen städtebaulichen und wohnungswirtschaftlichen Aspekten ist eines der zentralen Themen im Prozess des Stadtumbaus in Ostdeutschland. Kommunen und Wohnungsunternehmen verfolgen zwar in der Regel das gleiche Ziel, nämlich trotz notwendiger Reduktion der überschüssigen Wohnungsbestände ein funktionierendes städtisches Gesamtgefüge zu sichern, sind jedoch oftmals bei der Umsetzung dieses Ziels und der konkreten Ausgestaltung des Stadtumbauprozesses gegensätzlicher Auffassung.
Mit seinem zweiten Werkstattgespräch konnte der SRL-Arbeitskreis Stadtumbau einen Beitrag dazu leisten, dieses aktuelle Spannungsfeld näher zu beleuchten. Vor ca. 50 Mitgliedern des Arbeitskreises und weiteren interessierten Teilnehmern standen am 12. Januar 2002 im Haus für Demokratie und Menschenrechte in Berlin drei Fachbeiträge von Referenten unterschiedlicher Fachdisziplinen auf der Tagesordnung.
Als erster Referent stellte Jürgen Goldschmidt, Baudezernent der Stadt Forst in seinem Vortrag ?Das Stadtumbaukonzept der Stadt Forst - Ziele der Kommune und Strategien der Umsetzung? vor. Die Stadt Forst, ca. 20 Kilometer östlich von Cottbus, unmittelbar an der polnischen Grenze gelegen, hat von 1996 bis heute rund 3.000 ihrer Einwohner verloren und zählt heute noch ca. 24.000 Bewohner. Nach einer aktuellen Prognose wird die Bevölkerungszahl der Stadt bis 2015 um weitere 3.000 Einwohner zurückgehen.
Der Wohnungsbestand betrug Ende 2002 ca. 11.900 Wohneinheiten, von denen 1.800 Wohneinheiten leer standen. Die städtische FWG und die Genossenschaft FWO besitzen 37 % des Wohnungsbestandes in Forst. Die Genossenschaft hat einen Leerstand von 20% und das kommunale Wohnungsunternehmen 25% Leerstand. Noch Anfang 1999 hatten beide Unternehmen jeweils ?nur? Leerstände von ca. 8 % zu beklagen. Nahezu 80 % der leerstehenden Wohnungen befinden sich in Plattenbauten (sowohl innerstädtisch als auch peripher gelegen); inzwischen stehen auch sanierte Wohnungen leer. Bei der dadurch bedingten schlechten wirtschaftlichen Situation reicht ein ?einfacher? Lastenausgleich zwischen den Unternehmen (vgl. das Beispiel Chemnitz aus dem ersten Werkstattgespräch des Arbeitskreises) nicht aus, deshalb wird kurz- bis mittelfristig eine Fusion zwischen FWO und FWG angestrebt.
Baudezernent Goldschmidt betonte, dass die derzeit in Erarbeitung befindlichen Stadtumbaukonzepte nach seiner Einschätzung eine neue Qualität der Planung erfordern - ?eine unternehmensbezogene Stadtplanung?. Es reiche nicht, Prioritätsgebiete für den Stadtumbau festzulegen, sondern es müsse verstärkt darauf hingewirkt werden, dass bei der Umsetzung auch die angemessenen planungsrechtlichen Instrumente eingesetzt werden. In Forst werden über den Rahmenplan hinaus drei Sanierungsgebiete im ?vereinfachten Verfahren? festgelegt.
Im Zentrum ?rund um die Kirche? wird man in Forst 478 Wohneinheiten abreißen müssen. Neue Dienstleistungsangebote sind in den Wohngebäuden nicht unterzubringen, da schon das vorhandene, benachbarte Geschäftszentrum stagniert. Hier soll ein städtebaulicher Wettbewerb dazu beitragen, ein Neuordnungskonzept für diesen zentralen Bereich zu entwickeln. Die randstädtischen Plattenbaugebiete müssten nach Goldschmidts Einschätzung mittelfristig eigentlich komplett abgerissen werden. Hier stellen sich aber der hohe Sanierungsstand und bereits vorgenommene Privatisierungen als großes Problem dar.
Als zweite Referentin berichtete Maren Kern, Geschäftsführerin der DOMUS Consult Wirtschaftsberatungsgesellschaft mbh, Potsdam, über ?Wohnungswirtschaftliche Anforderungen an Stadtumbaukonzepte - Erste Erfahrungen bei der Erarbeitung wohnungspolitischer/ -wirtschaftlicher Konzepte?.
Domus Consult erarbeitet zur Zeit sechs wohnungspolitische/ -wirtschaftliche Konzepte im Land Brandenburg. Frau Kern erläuterte die drohende ?Leerstandsspirale? für die Wohnungsunternehmen in vielen ostdeutschen Städten. Leerstand führt zum Rückbau von Infrastruktur, damit steigt der Leerstand, weil die betroffenen Quartiere von der Bevölkerung nicht mehr angenommen werden; Modernisierungen und Umsetzungen der Mieter sind aufgrund der angespannten wirtschaftlichen Situation vieler Wohnungsunternehmen nicht mehr finanzierbar; der fortgesetzte Leerstand führt durch die Einnahmeverluste und laufenden Kosten der leerstehenden Wohnungen zu Erlösschmälerungen; notwendige Abrisse sind ebenfalls nicht mehr finanzierbar; die Unternehmen treiben in den Konkurs.
Frau Kern stellte kurz die von Domus Consult für die thüringische Stadt Gera schon fertiggestellten Konzepte vor. Dort wurde für drei Stadtteile je eine Portfolioanalyse erarbeitet, bei der die Wohngebäude nach ausgewählten Kriterien, wie Infrastruktur und Lage, Substanz und Ausstattung sowie nach Hausbewirtschaftungsergebnissen bewertet wurden. Die Ergebnisse dieser Portfolioanalysen haben dazu geführt, dass Abrisspläne der Stadt für bestimmte Gebäude und die beabsichtigte ?Kappung? der Straßenbahn in einem Stadtteil gestoppt wurden. Erstaunlichstes Ergebnis der dreidimensionalen Portfoliomatrix war in Gera, dass ? unter wohnungswirtschaftlichen Kriterien betrachtet ? derzeit ein zu geringes Abrisspotenzial in der Stadt vorhanden ist. Viele Gebäude, in die bislang nur geringe Modernisierungs- und Instandsetzungsmittel investiert wurden, können als sog. ?cash cows? noch über längere Zeit rentabel genutzt werden, obwohl sie bereits hohe Leerstände aufweisen. Die Portfolioanalyse ist aber, so betonte Frau Kern, neben der Bevölkerungsanalyse, der Mieterbefragung und der Infrastrukturentwicklungsplanung nur eines der Instrumente für den kommunalen Entscheidungsprozeß beim Stadtumbau. Eine längerfristige stadtteilbezogene Prognose der Leerstandsentwicklung ist aufgrund der vielen, unterschiedlichen Einflussfaktoren sehr schwierig. Deshalb plädierte die Referentin dafür, die gegenwärtigen Abrisspläne in 5 bis 10 Jahren kritisch zu überprüfen.
Norbert Illiges von der Beratungsgesellschaft für Stadterneuerung und Modernisierung (BSM), Berlin erläuterte schließlich als dritter Referent ?Erste Erfahrungen bei der Erarbeitung von Stadtumbaukonzepten für sechs Kommunen im Land Brandenburg?. Diese Kommunen, in denen die BSM derzeit die Stadtumbaukonzepte erstellt, sind Calau, Eisenhüttenstadt, Großräschen, Premnitz, Rathenow und Wittstock. Beispielhaft wurden Eisenhüttenstadt und Calau vorgestellt.
Eisenhüttenstadt ist eine stark von Suburbanisierung betroffene Stadt. Von 22.000 Wohneinheiten stehen ca. 3.600 Wohneinheiten - v.a. in den Plattenbaugebieten WK VI und VII - leer. 3.000 Wohnungen sollen v.a. im WK VII abgerissen werden. Auf Teilen der freigeräumten Flächen sollen Einfamilienhäuser entstehen. Eine Portfolioanalyse der Wohnungsbestände steht noch an. In Eisenhüttenstadt konnten aufgrund der Stadtgröße, -struktur und der guten Kooperation der beteiligten Akteure recht zügig die Prioritäten für den Stadtumbau festgelegt werden.
Calau ist eine Kleinstadt, die aufgrund hoher Kriegschäden von 60% ? kaum noch historische Bausubstanz aufweist und heute auch in der ehemaligen Altstadt von Plattenbauten geprägt ist. Da nahezu der gesamte Gebäudebestand bereits saniert wurde und die lokale Wohnungswirtschaft durch den hohen Investitionsanteil und den Wohnungsleerstand hoch verschuldet ist, führt diese Situation zu einem ?schnellem Ende planerischer Fantasien?. Schwierige Abstimmungsprozesse stehen bevor. Eine Kooperation unter dem Motto ?Pakt der Vernunft? ist notwendig.
In der anschließenden Diskussion wurde die bisherige Abwehrhaltung der Banken beim Thema Stadtumbau diskutiert. Die Banken scheuen Investitionen im ostdeutschen Wohnungsbestand, insbesondere in Plattenbauten. Erst wenn Konkurse der Wohnungsunternehmen die Interessen der Banken bedrohen, werden diese reagieren.
Zudem wurde die These diskutiert, dass in einer Marktwirtschaft die Wohnungsunternehmen die Verantwortung für den Leerstand ihrer ?Ware? Wohnung tragen und nicht der Staat. Die Gegenthese lautete, dass selbst bei erfolgten Konkursen der Unternehmen der vorhandene Wohnungsbestand (und somit auch der Wohnungsleerstand) erhalten bleibt, die Problemlösung nur verzögert wird und die Akteure vor Ort (inklusive Staat / Stadt) sich auch dann gemeinsam um die Zukunftsfähigkeit des Wohnungsbestandes kümmern müssen.
Das nächste Werkstattgespräch des Arbeitskreises Stadtumbau wird am Samstag, den 13. April 2002 in Dessau stattfinden. Nähere Informationen dazu sind bei der SRL-Geschäftsstelle erhältlich.
Christoph Haller, Thomas Thurn, Berlin
Werkstattgespräch vom 20.10.2001 in Leipzig
Stadtumbau - von der Theorie zur Praxis
Am 20. Oktober 2001 trafen sich ca. zwanzig Mitglieder des Arbeitskreises Stadtumbau zum 1. Werkstattgespräch in Leipzig. Drei Fallbeispiele wurden vorgestellt und diskutiert.
Das Beispiel Leipzig
Als erster Referent stellte Stefan Gabi vom Amt für Stadtentwicklung der Stadt Leipzig erste Beispiele der Umsetzung des Stadtumbaukonzeptes ?Neue Gründerzeit? vor. Dieses Konzept ist eingebettet in den Stadtentwicklungsplan ?Wohnungsbau und Stadterneuerung? (STEP), der außer den gründerzeitlichen Altbaugebieten noch die Aktionsfelder ?Großsiedlungen? und Stadterweiterungen? behandelt.
So werden für Leipzig-Ost konzeptionelle Stadtteilpläne (Maßnahmen bis 2030) erarbeitet. Ein Beispiel ist ?Die Zone?, ein Band der Entdichtung, das freigeräumte Grundstücke durch eine visionäre Freiraumschaffung im Quartier gestalten soll. Für Zwischennutzungen einzelner Grundstücke hat die Stadt ?Gestattungsverein-barungen? mit den Eigentümern für die Dauer von 5 bis 10 Jahren abgeschlossen. Durch die Planung von Investitionen, wie die Schaffung eines Stadtteilparks auf dem ?Eilenburger Bahnhof? konnte die Vermietbarkeit der Altbauten in der Umgebung jetzt schon verbessert werden.
Die Eigentumsbildung in der Innenstadt wird einerseits durch einen Ideenwettbewerb ?Trautes Heim? - in Kooperation mit der Sächsischen Architektenkammer - einem Eigentumsprojekt in Reihenhausform in einem Gründerzeitviertel angeregt. Darüber hinaus versucht die Stadt die Eigentumsbildung in Bestandsgebäuden durch intensive Beratung von potentiellen Selbstnutzern zu ermuntern.
Das Beispiel Chemnitz
Als zweiter Referent beleuchtete Herr Peter Naujokat, Geschäftsführer der ?Grundstücks- und Gebäudewirtschaft GmbH?, Chemnitz den Stadtumbau als wohnungswirtschaftliches Problem. Die Stadt Chemnitz hat seit der Wende bis heute von 320.000 Einwohnern ca. 70.000 Einwohner verloren.
Innerhalb der Stadt haben vor allem die Plattenbaugebiete Mieter auch an ein saniertes, attraktives Jugendstil - Altbaugebiet verloren. Dramatischen Leerstand innerhalb der Stadt weisen v.a. ehemals restitutionsbehaftete Altbauten auf, die von der kommunalen ?Grundstücks- und Gebäudewirtschaft GmbH? übernommen werden mussten (?Negativrestitution?) und nun eine zusätzliche wirtschaftliche Belastung des Wohnungsunternehmens darstellen.
Das größte Plattenbauquartier der Stadt Chemnitz ist das ?Heckert - Gebiet? mit 32.000 Einwohnern. Dieses Gebiet hat in den letzten Jahren 30 % der Bevölkerung verloren. Die ?Grundstücks- und Gebäudewirtschaft GmbH? wird hier? 4000 Wohnungen abreißen. Die beiden anderen Eigentümer (zwei Genossenschaften) sind anteilsmäßig in ihrem Bestand im ?Heckert - Gebiet? noch stärker vom Leerstand betroffen. Durch die Gründung einer ?Stadtumbau GmbH? im Dezember 2001, in der alle großen Wohnungsunternehmen der Stadt beteiligt sind, wird zwischen den wohnungswirtschaftlichen ?Gewinnern? und ?Verlierern? der geplanten Wohnungsabrisse ein Ausgleich organisiert. Diese ?Stadtumbau GmbH? kann von den beteiligten Unternehmen für die geplanten Abrisse als Dienstleister oder Institution des Finanzierungsausgleiches genutzt werden. Der Finanzierungsausgleich basiert auf einer Modellrechnung mit Faktoren, wie Kosten des Leerstandes, Kosten des Rückbaus, Erlösminderung durch Abriss usw..
Probleme für die für die Umsetzung der Abrisspläne sieht Herr Naujokat zum einen
für Plattenbaugebäude, in die in den ersten Nachwendejahren trotz unattraktiver Lage und Gebäudestruktur saniert wurden. Am Rand des ?Heckert - Gebietes? sollen nach erfolgtem Abriss Einfamilienhäuser angeboten werden. Dabei ist noch offen, wie die Stadt mit den Kosten einer - nach Abriss und Neubebauung mit Einfamilienhäusern - überdimensionierten Erschließung und Infrastruktur umgeht.
Das Beispiel Halle
Frau Dr. Elisabeth Merk, Leiterin des Stadtplanungsamtes der Stadt Halle stellte die Stadtumbaustrategien in Halle vor. Die Bevölkerung der Stadt Halle ist in den letzten zehn Jahren von 310.00 Einwohner auf 250.000 Einwohner gesunken. In den nächsten zehn Jahren sieht die Stadt die Notwendigkeit 20.000 Wohnungen ?vom Markt zu nehmen?.
In ?Halle - Neustadt? wird auf Grund der wachsenden Leerstandsprobleme im Zentrum des Gebietes nun der bisher tabuisierte Abriss einer der Wohn-/ Büroscheiben diskutiert. Das Zentrum der Neustadt soll ?Sanierungsgebiet? werden, der Abriss einer Scheibe durch eine ?Sanierungsgemeinschaft? organisiert werden. In dem Plattenbaugebiet ?Silberhöhe? startet die Stadt ein Pilotprojekt zum Abriss von Wohngebäuden und die Nachnutzung der Grundstücke durch Sportstätten.
Frau Dr. Merk sieht Probleme bei der Umsetzung des Stadtumbaus durch eine extensive Ausweisung von ?Sanierungsgebieten?, die dann zwei Drittel des Stadtgebietes ausmachen würden. Zudem darf der Stadtumbau nicht zu einer Inflation von neuen Trägergesellschaften führen, die dann nicht mehr für die Stadt finanzierbar und steuerbar sind. Die vermehrten Anfragen der Banken bei der Stadtverwaltung zu den Abrisskonzepten zeigt die Notwendigkeit, die Banken stärker in die Stadtumbaudiskussionen einzubeziehen. Nach den Abstimmungsprozessen zu den eher ?defensiven? Abrissstrategien ist für die Städte die Entwicklung neuer, kreativer Visionen des Stadtumbaus notwendig.
Die anschließende Diskussion behandelte v.a. die Handlungsspielräume der Stadtplaner beim Stadtumbau. Angesprochen wurden die möglichen Zielkonflikte zwischen städtebaulichen Ansprüchen und marktgerechten Entwürfen bei der Eigentumsbildung in der Innenstadt. Zudem wurde die Rolle der Banken, als wichtigste Finanzierungsinstitution für die Unternehmen beim Stadtumbau und ihr drohender Rückzug aus wohnungswirtschaftlichen Investitionen in Ostdeutschland diskutiert.
Thomas Thurn (SRL), 10.12.2001








