Berlin, 25.03.2026

 

SRL zur Beschleunigung des Wohnungsbaus anlässlich des Wohnungsbautages

Morgen findet der 17. bundesweite Wohnungsbautag unter dem Motto „Worauf wartet Deutschland - Raus aus der Krisenstarre auf dem Wohnungsmarkt“ statt. Dieser wird durchgeführt u.a. vom GDW-Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen, dem Deutschen Baugewerbe, dem Deutschen Mieterbund, dem BFW - Bund freier Wohnungsunternehmen oder die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt.

Die SRL begrüßt die inhaltliche Auseinandersetzung mit den Fragen der Wohnraumversorgung. Auch wir sehen die bessere und vor allem sozial gerechtere Bereitstellung von Wohnraum als wichtige und vor allem aktuell zentrale gesellschaftliche Aufgabe an, die leider in der Vergangenheit viel zu häufig den Regelungen des freien Marktes überlassen wurde. Gerade heute und in naher Zukunft fallen viele heute noch sozial gebundene Wohnungen aus dieser Förderung. Parallel steigen die Kaltmieten in Deutschland auf teilweise deutlich über 20 Euro je m². Seit 2004 haben sich die Immobilienpreise im Durchschnitt verdoppelt!

Die jüngsten Änderungen der gesetzlichen Rahmenbedingungen, insbesondere aufgrund des Bauturbos, stellen aus Sicht der SRL keine fundamentale Verbesserung der Situation dar, sondern lediglich den Versuch, die Planungszeiten zu reduzieren. Wichtig ist der SRL jedoch auch darauf hinzuweisen, dass aufgrund von weit über 3.000 DIN-Normen der Bau von Wohnungen maßgeblich beeinflusst und gehemmt wird. Auch der Bauüberhang von mehr als 700.000 Wohnungen stellt ein großes Problem dar. Der Bauüberhang bezeichnet Grundstücke, auf denen ein bereits genehmigtes, aber noch nicht realisiertes bauliches Vorhaben geplant ist. Dies ist wertvolles „Baupotenzial“, das noch nicht ausgeschöpft wird.

Letztlich benötigt die Politik dringend Antworten auf die Herausforderung, dass in den ländlichen Räumen sowie den Ballungsräumen in den kommenden Jahren durch den sog. Silver Tsunami massiv insbesondere Einfamilienhäuser auf den Markt kommen. Rund 80 Prozent der älteren Eigentümer leben in Einfamilienhäusern. Viele dieser Häuser stammen aus den 1950er- bis 1980er-Jahren. Diese Häuser prägen heute den Bestand in alten gewachsenen Ortskernen oder auch am Stadtrand und werden in den kommenden Jahren vermehrt auf den Markt kommen. Die gleiche Situation ist bereits jetzt für die Suburbanen Siedlungen der Großstädte vorhersagbar.

Anlässlich des Wohnungsbautages macht die SRL darauf aufmerksam, dass eine Auseinandersetzung mit dem Wohnungs- und Gebäudebestand deutlich bessere Lösungen hervorbringen kann. Eine Förderung von Umzugsketten, Wohnungstausch oder der Umbau bestehender Gebäude zu Wohnraum sowie auch die bedarfsgerechte Nutzung bergen ein deutlich größeres Potenzial zur kurzfristigen Verbesserung des Wohnungsbestandes. 

Weiterhin ist eine kritische Auseinandersetzung mit raumordnerischen Vorbehalten der Wohnraumversorgung dringend geboten. Ländliche Regionen dürfen nicht abgehangen werden, da dadurch große Potenziale zur Sicherung stabiler Wohnbedürfnisse verloren gehen. Zeitgleich müssen sich ländliche Kommunen real entwickeln dürfen und nicht an raumordnerischen Vorbehalten des vergangenen Jahrhunderts scheitern. Bereits heute ist auch erkennbar, dass baukulturell hochwertige Gebäude leer stehen, während am Ortsrand fleißig Neubauten, mit zeitlich begrenztem Nutzungsprofil, entstehen.

Die SRL sieht eine transparente und für den Bürger nachvollziehbare Planung als Schlüssel zu einer nachhaltigen, klimagerechteren und sozial gerechteren Wohnraumversorgung an. Nicht weniger und dafür zeitgebundene Planung, sondern eine fachlich solide und abgestimmte Planung, die auf individuelle Bedürfnisse eingehen kann, schafft gesunde und gerechte Strukturen.

Die bloße Beschleunigung von Prozessen durch intransparente Fristen, ohne fachlich vorbereitetes Personal, führt eher zu Stillstand aufgrund von Unsicherheiten. Wir müssen wieder in der Lage sein, Probleme mit Sachverstand und in Rücksichtnahme auf regionale Besonderheiten zu lösen. Dazu brauchen wir kompetente Akteure, eine verlässliche und verständliche Planung sowie eine nachhaltige Bodenpolitik, die Werte für die Gemeinschaft bildet und nicht für die individuellen Wirtschaftsinteressen einzelner.

Es müssen letztlich auch die Weichen dafür gestellt werden, dass der akute Fachkräftemangel in den Kommunen behoben wird. 

In diesem Sinne wünschen wir uns von dem Wohnungsbautag sinnvolle Impulse für den Umgang mit dem Bestand, in allen räumlichen Strukturen und nicht nur die Wiederholung der Forderung nach mehr Neubau. 

Zur SRL

Die Vereinigung für Stadt-, Regional- und Landesplanung (SRL) e.V. ist ein bundesweites Netzwerk von Personen, die in sämtlichen Bereichen der Planung (Stadtplanung, Verkehrsplanung, Landschaftsplanung, Umweltplanung u.v.m.) tätig sind. Die SRL ist gleichzeitig die berufsständische Interessenvertretung der planenden Berufe. Die SRL ist politisch unabhängig und wirtschaftlich eigenständig.

Die Mitglieder der SRL sehen in der Gestaltung ihrer Umwelt durch verantwortliche Umsetzung räumlicher Planungen einen Beitrag zur Zukunftssicherung und eine Voraussetzung für ein „gutes Leben“ kommender Generationen.

Pressemitteilung